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Die in der Rubrik MEINUNG veröffentliche Beiträge sind politische Äußerungen des jeweiligen Autors und Ausdruck einer pluralistischen Meinungsbildung innerhalb der Partei DIE LINKE. Sie spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassungen der gesamten Partei oder der gewählten Gremien wieder.

 

Nur Mut!

26. März 2018 - Jemand mag aus ethischer Überzeugung nicht nur den Kriegsdienst, sondern grundsätzlich jeden Dienst beim Militär verweigern, wie es beispielsweise die Zeugen Jehovas tun. Das ist in Ordnung, denn die würden ja auch nicht auf die Idee kommen, andere in den Krieg zu schicken. Der SPD Abgeordnete Niels Annen etwa verweigerte seinerzeit den Kriegsdienst. In Ordnung. Aber nun stimmte er zusammen mit über 400 anderen Abgeordneten für den Einsatz der Bundeswehr in z.B. Afghanistan, auf dass Deutschland am Hindukusch verteidigt werde. BRAVO ! Einfach toll, anderer Leute Kinder dorthin zu schicken, wo es sie Leib und Leben kosten könnte, obwohl man selbst – siehe oben. Der Abgeordnete ist angeblich nur seinem Gewissen verpflichtet, aber na ja, was geht mich mein Geschwätz von gestern an, Schwamm drüber. Es scheint tatsächlich >> der Krieg der anderen << zu sein, oder haben die über 450 Abgeordneten doch etwa Söhne und Töchter, die bei der Bundeswehr Dienst tun und womöglich an einem Auslandeinsatz beteiligt sind? Unser Beispielabgeordneter Annen beweist Mut, als er nun, wie er es nennt, ins Kriegsgebiet reiste. Schade, dass er und so viele andere bei der Abstimmung nicht den Mut hatte, dagegen zu sein. Aber das kann und muss noch kommen. Unser MdB Thomas Lutze hat wie immer gegen den Kriegseinsatz oder die Verlängerung desselben gestimmt. Ich hoffe, dass viele andere nachdenklich werden und den Mut finden. Hans Kiechle, Vors. OV Saarwellingen

Grubenflutung: Und den Saarlouiser Kreis trifft es auch

11. Januar 2018 - Die Linksfraktion im Gemeinderat Merchweiler war einer der Mitinitiatoren der Veranstaltung rund um das Thema Grubenflutung am 9. Januar 2018. Drei Stunden Vorträge, eine abschließende Diskussions- und Fragerunde, über 800 Anwesende. Die Fraktionsmitglieder Peter Meisberg und Alexander Petto zeigten sich über die Resonanz mehr als nur erfreut. Anwesend war die Kreisvorsitzende Andrea Neumann, die als Stadträtin in Neunkirchen, schon eine klar ablehnende Positionierung zu den RAG-Plänen gezeigt hatte. Für den Landesvorstand war der stv. Vorsitzende Dr. Andreas Neumann vor Ort. „Wenn die Pläne im Kreis Neunkirchen durchgehen und eine Teilflutung auf -320 Meter erfolgt, muss man kein Geologe sein, um zu verstehen, dass das Wasser dadurch in Richtung meines Heimatkreises Saarlouis bewegt wird. Dies bedeutet, dass wir dort eine zusätzliche Pumplast und Belastung verzeichnen werden. Und es glaubt wohl niemand ernsthaft, dass die Phase 1 alles ist. Nach 1 kommt 2. Soviel ist sicher.“, so Andreas Neumann. Und weiter: „Und ob es bei Anstiegslevel 0 zu keinen massiven Beeinträchtigungen im Neunkircher Kreis kommen wird, dass darf doch ernsthaft bezweifelt werden. Hier versucht sich die RAG aus reinem Profitinteresse aus der Verantwortung zu stehlen. Solange auch nur das geringste Risiko für Gesundheit und Eigentum der Bürger besteht, müssen diese Pläne abgelehnt werden. Im Zweifelsfalle sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen die Gruben natürlich volllaufen zu lassen. Durch die dafür benötigten 80 Jahren erkauft man sich die notwendige Zeit für sichere, planvolle Maßnahmen. Aber zuerst müssen alle Schadstoffe raus aus den Gruben. Und zwar auf Kosten der RAG.“.

Rede von Jürgen Trenz, Fraktion DIE LINKE, zum Haushalt des Regionalverbandes 2018

13. Dezember 2017 - Sehr geehrter Herr Regionalverbandsdirektor Peter Gillo, meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, ich könnte jetzt, wie in den Vorjahren, unseren mangelnden Handlungsspielraum im Haushalt beklagen, die Rolle des Landes und die Verantwortung des Bundes bei der Finanzierung für die kommunalen Finanzen kritisieren. Dazu später noch ein paar deutliche Bemerkungen! Auch könnte ich wieder unsere Forderung nach einer Vermögenssteuer nennen aber heute werde ich mich auf die Verantwortung des Regionalverbandes konzentrieren. Einer Verantwortung, die der Regionalverband nur in unzureichendem Maße gerecht wird! Da wir als LINKE dies erkannt haben, sind Ihnen in diesem Jahr drei Anträge von uns zugegangen, die einen kleinen Eindruck der enormen Problemlagen in den Bereichen Armut, Soziales und Bildung vermitteln. Umso bedauerlicher ist es in welch unverantwortlicher Art und Weise die „Wilde Ehe“ aus CDU und SPD mit diesen Anträgen umgeht, die wie gesagt nur die Spitze der größten Not im Regionalverband beschreiben. Wir wollten 5.000 € Anteil des Regionalverbandes für die Stärkung der Gemeinwesenarbeit in Burbach. Im Stadtteil waren durch den Konkurs eines Trägers Beratungsstunden weggefallen die nun von der Gemeinwesenarbeit übernommen werden sollten. 5.000 € sind für den Regionalverband nicht viel Geld. Für die Menschen vor Ort, die auf Sozialberatung angewiesen sind die 5.000 € aber wichtig, damit Sie mit Ihrer Situation umgehen können und damit Ihnen neue Perspektiven aufgezeigt werden können. Wer sich hinstellt und meint, dass Sozialberatung Sache des Jobcenters sei, hat keine Ahnung von der Funktion des Jobcenters, seinen personellen Möglichkeiten und den Abhängigkeiten die eine Behörde hat die Geldleistungen an Arbeitslose auszahlt. Es ist schlicht heuchlerisch, die Langzeitarbeitslosigkeit zu beklagen gleichzeitig aber die Hilfen für die Betroffenen zu verweigern, in einem Stadtteil indem nahezu 40% der Bevölkerung von Hartz-IV-Leistungen abhängig ist. Das ist unerträglich! Wir hatten die sofortige Einrichtung eines Gemeinwesenprojekts in Dudweiler gefordert. Dudweiler ist der Stadtbezirk der die stärkten Steigerungen bei der Abhängigkeit von Hartz-IV-Leistungen aufweist. Jeder der die Situation kennt, weiß auch, dass die GWA in Dudweiler gebraucht wird. Entsprechende Aussagen des örtlichen Bezirksrats, von Verbänden und der Saarbrücker Stadtverwaltung liegen vor. Zudem kommt, dass der Regionalverband praktisch keine Mehrkosten hätte, da das Personal und Kosten die der Regionalverband für das örtliche KIDS-Projekt aufbringt für die Finanzierung der GWA vor Ort genutzt würden. Dennoch wird hier abgelehnt, obwohl die Fachöffentlichkeit keinen Zweifel daran hat, dass Dudweiler das Projekt braucht. Das Verhalten der Mehrheitsfraktionen ist absurd und unverantwortlich. Als dritten Antrag hatten wir die Fassadensanierung der Gemeinschaftsschule Sulzbach angemahnt. In dieser Schule herrschen unerträgliche Zustände. Aufgrund der mangelhaften Fassadensanierung treten bereits im März Temperaturen von über 30 C auf, was für Schüler*innen und Lehrer*innen eine völlig unzumutbare Situation darstellt. Die nicht haltbaren Zustände haben natürlich auch die Eltern auf den Plan gebracht. In diesen Zusammenhang sind wir auf das Problem aufmerksam geworden. Von Seiten des Regionalverbandes ist bisher wenig passiert, bis auf den Einbau einer Lüftungsanlage, die aber nicht funktioniert. Im Grunde müssten, spätestens im Frühsommer und bis in den Frühherbst, bestimmte Klassenräume für den Unterricht gesperrt werden, da ein generelles Hitzefrei ab einer bestimmten Temperatur ja nicht mehr möglich ist. Die Situation ist eine Schade! Alles Geschwätz von der Bedeutung der Bildung für die Zukunft der Gesellschaft entlarvt sich angesichts solcher Bespiele, wie in dieser Schule, als hohl und inhaltsleer. Das sehen übrigens auch Lehrerverbände im Saarland so, die den Sanierungsstau an den Schulen in scharfer Form kritisiert hatten. Alleine im Regionalverband hat sich der Sanierungsbedarf auf mittlerweile über 30 Millionen Euro aufgestaut. Das ist nicht zu fassen! Unabhängig von unseren Anträgen ergeben sich aber auch noch weitere Investitionsnotwendigkeiten. Der Fachdienst Regionalentwicklung und Planung hat, wie in den letzten Jahren immer, gute Arbeit geleistet und z.B. DIE LINKE Initiative zur Stärkung und Unterstützung des Erlebnisbergwerks Velsen aufgegriffen. Schließlich konnte hier ein gemeinsamer Beschluss zur Unterstützung des Erlebnisbergwerks gefasst werden. Nachdem nun klar ist, dass das Erlebnisbergwerk in das Eigentum des Vereins überführt wird, können auch Leader-Mittel beantragt werden. Das ist gut gelaufen! Was jetzt weiter ansteht ist, dass die weiteren Elemente des industriekulturellen Premiumstandorts Velsen gefördert und ausgebaut werden. Dazu gehören die einzige im Saarland noch betriebene Kaffeeküch und das Maschinenhaus mit der Fördermaschine die wieder ins laufen gebracht werden müsste. Auch hier wird sich der Regionalverband einbringen müssen. Eine ganz entscheidende Aufgabe wird aber darin bestehen eine sogenannte Museenbahn auf das Gleis zu setzen, die die industriegeschichtlichen Höhepunkte der Region, das Weltkulturerbe Völklinger Hütte, den Standort Velsen mit dem Erlebnisbergwerk und den weiteren Elementen und das nationale Kohlemuseum „La Mine“ in Petite Rosselle miteinander verbindet. Vorrausetzung für die Errichtung einer Museenbahn wäre die Übernahme der Pacht für die Strecke durch den Regionalverband und die Aufnahme der Museenbahn in die Tourismusstrategie des Regionalverbandes. Das wäre, so das Wirtschaftsministerium, die Vorrausetzung dafür, dass auch das Land sich an der Förderung einer solchen Bahn beteiligen könnte. Mit dieser Bahn könnte der Regionalverband dazu beitragen, den Nr.1-Premiumstandort Velsen, im Verbund mit Völklingen und Petite Rosselle zum bedeutendsten industriegeschichtlichen Standort im Saarland und darüber hinaus zu entwickeln. Gleichzeitig würde damit die Strecke der Rosseltalbahn gerettet und für einen späteren regulären Bahnverkehr gesichert. Dies wäre eine in die Zukunft gerichtete Investition, die von ihrer touristischen Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Darüber wird hier noch zu reden sein. Natürlich - und das darf hier nicht fehlen, müssen wir immer wieder an Land und Bund appellieren sich uns gegenüber fair zu verhalten, die Kommunen nicht zu überfordern und uns finanziell ausreichend auszustatten. Was überhaupt nicht geht sind die Übernahme von Kosten, die der Regionalverband und die Gemeinden nicht beeinflussen können und die uns von außen übergestülpt werden. Von daher unterstützen wir alle Forderungen die darauf hinauslaufen, dass der Bund die wesentlichen Sozialkosten vollständig übernimmt. Wofür wir überhaupt kein Verständnis aufbringen können sind Verhaltensweisen die die Solidarität der kommunalen Familie untergraben und beschädigen. Wenn etwa die Gemeinde Heusweiler meint, wegen der Umlage, gegen den Regionalverband klagen zu wollen, ist das nicht nur sinnlos, sondern auch strategisch falsch. Nur wenn wir gemeinsam gegenüber Land und Bund unsere Interessen vertreten, können gute Ergebnisse für alle Landkreise, den Regionalverband und die Städte und Gemeinden erzielt werden. Außergewöhnlich und Bemerkenswert ist, was wir dieser Tage in der Saarbrücker Zeitung lesen konnten, von dem Kommentator Dieter Klostermann, zum Thema Armut und Armutsbekämpfung. Wörtlich schreib er: „Es mutet fast zynisch an: Die Parteien CDU und SPD, die auf Bundesebene mit ihrer Umverteilungspolitik dafür gesorgt haben, dass die Zahl der Armen und sozial Schwachen in Deutschland steigt, versuchen mit einem Aktionsplan die Armut zu bekämpfen. Dabei haben sie Millionen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse geschickt. Viel zu viele haben die Groß-Koalitionäre aus dem Blick verloren. So wird jetzt auch im Saarland versucht, an den Folgen, die die neoliberale Politik hervorgerufen hat, mit Hilfe auch der Wohlfahrtsverbände herum zu doktern. Damit wird der Schmerz der Betroffenen vielleicht gelindert. Doch was Not tut, ist ein komplettes Umsteuern: Die Reichen und Besserverdienenden vertragen es schon, mehr Steuern für eine menschliche Gesellschaft zu zahlen. Mit Trostpflastern ist es nicht getan. Das kann man, glaube ich, genauso unterstützen und dennoch sollten wir uns auch in unserem eigenen tun, hier in der Regionalversammlung, daran messen lassen, ob wir wirklich alles getan haben für eine menschliche Politik und ob wir alles getan haben um Armut zu bekämpfen. Wenn wir den Haushalt und den Umgang mit unseren Anträgen bewerten, müssen wir feststellen, dass wesentliche Herausforderungen von der Verwaltung nicht erkannt wurden und dass die Groß-Koalitionäre der Wilden Ehe, also CDU und SPD, weder eine Ahnung von dem Ausmaß der sozialen Verwerfungen, der ausgeprägten Armut haben, noch wirklich interessiert daran sind diese Armut zu bekämpfen!!! Wie immer danken wir den vielen fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die auch in diesem Jahr zuverlässig dafür gesorgt haben, dass wir eine Haushaltsvorlage haben über die wir streiten können. Die Fraktion DIE LINKE. im Regionalverband wird den Haushaltsentwurf 2018 ablehnen!

Provozierende Ziele: Wie damit umgehen, dass die AFD im Parlament sitzt?

16. November 2017 - Vier Tage vor der Bundestagswahl bietet der saarländische Landtag der AfD eine große Bühne. An Punkt sechs der Tagesordnung steht ein Antrag der Regierungsparteien CDU und SPD mit dem schönen Titel „Transparenz schaffen - Demokratie stärken". Darin heißt es: „Sprachliche Enthemmung, Falschmeldungen, der Aufruf zu Gewalt prägen auf Internetportalen und in sozialen Netzwerken zunehmend die Debattenkultur und auf diese Weise prägen sie auch unser gesellschaftliches Miteinander. Nicht selten erwächst aus der verbalen Enthemmung auch eine tätliche." Es geht um „Fake-News", Hass-Posts und das umstrittene „Netzwerkdurchsetzungsgesetz", dass die „Große Koalition" im Bundestag durchgepeitscht hat. Der linke Innenpolitiker Dennis Lander weist in der Debatte darauf hin, dass es Des-Information und Propaganda auch schon lange gab, bevor das Wort „Fake News" erfunden wurde, auch bevor es das Internet gab. Und dass immer wieder auch Vertreter von Union und SPD mit Hass-Botschaften gegen Minderheiten aufgefallen sind. Der ehemalige CSU-Vorsitzende Franz-Josef Strauß („Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder") ebenso wie der ehemalige SPD-Politiker Thilo Sarazin („Eine große Zahl an Arabern und Türken hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel."). Doch davon ist in der Berichterstattung anschließend nicht die Rede. Stattdessen titelt die „Saarbrücker Zeitung": „'Multi-Kulti-Wahn'-Rede von AfD-Abgeordnetem sorgt für Empörung". Denn der AfD-Abgeordnete Rudolf Müller hatte in der Debatte gesagt, das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz" richte sich „auch gegen die AfD, weil die AfD endlich eigene Interessen im eigenen Land formuliert und sich nicht vom Multi-Kulti-Wahn mitreißen lässt". Auch im „Saarländischen Rundfunk" standen die AfD und ihr Vorsitzender Josef Dörr im Mittelpunkt: „Dörr löst Debatte über Hassbotschaften aus", weil er in seiner Rede gesagt hatte: „Der Hass kommt nicht von der AfD, der Hass trifft die AfD." CDU und SPD wollten die AfD kurz vor der Bundestagswahl an den Pranger stellen, die Rechten lieferten provozierende Zitate, die von den Medien dankbar aufgegriffen wurden und reklamierten die Opfer-Rolle für sich. Und am Ende sprach jeder wieder nur über die AfD.   Dabei war die dreiköpfige AfD-Fraktion, die seit Ende März im Saarländischen Landtag sitzt, bis zu dieser Debatte kaum aufgefallen. Josef Dörr schläft in Ausschuss-Sitzungen regelmäßig ein, seine Fraktion stellt Anfragen zur Beflaggung an öffentlichen Gebäuden und Fördermitteln für den Evangelischen Kirchentag, ansonsten läuft nicht viel.   So ruhig, bürgerlich, ja langweilig sich die AfD-Landtagsfraktion gibt, es kann nicht von deutlichen Hass-Botschaften in der Vergangenheit ablenken. So forderte ein Mitglied des Landesvorstandes bei „Facebook", Flüchtlingsboote „samt Inhalt" zu versenken – und wurde von der Landespartei dafür lediglich leicht gerügt. Für Dennis Lander ist diese Reaktion eine Bestätigung dafür, dass die AfD „außerhalb des demokratischen Spektrums steht". Die AfD-Bundestagskandidatin Laleh Hadjimohamadvali, im Alter von 14 Jahren mit ihrer Familie aus dem Iran geflohen, soll bei ihrer Rede beim Landesparteitag Ende Juni in Völklingen gesagt haben, der Islam sei „schlimmer als die Pest". Der Bundesvorstand der AfD wollte den saarländischen Landesverband letztes Jahr wegen dessen offenkundigen Kontakten zu Neonazis auflösen, scheiterte damit aber vor dem parteieigenen Schiedsgericht. Der Landesvorsitzende Dörr und sein Stellvertreter Lutz Hecker, heute ebenfalls Landtagsabgeordneter, haben unter anderem bei der rechtsextremen Splitterpartei FBU um Mitglieder geworben. Ihr heutiger Fraktionskollege Müller handelte in seinem Saarbrücker Antiquariat mit Nazi-Devotionalien. Es gibt also weitaus bessere Beispiele für die menschenverachtende Haltung von AfD-Funktionären als das Wort „Multi-Kulti-Wahn".   Saarbrücken-Malstatt. Hier ist die Arbeitslosen-Quote hoch, die Kaufkraft gering, jeder Dritte ist überschuldet. Eine Hochburg für DIE LINKE – immer noch. Aber bei der letzten Landtagswahl Ende März gab es hier im Stimmbezirk „Italienische Mission" mit 23,5 Prozent ein Minus von 16,2 Prozent. Bei der Bundestagswahl machten sogar noch weniger (22,9 Prozent) ihr Kreuz bei der LINKEN. Die AfD hat hier dagegen im März aus dem Stand 10,9 Prozent geholt. Bei der Bundestagswahl sogar 17,15 Prozent.   Noch deutlicher ist es im Saarbrücker Stadtteil Folsterhöhe. In der Hochhaus-Siedlung leben 71,7 Prozent der Kinder von Hartz IV – es ist die höchste Kinderarmuts-Quote in der saarländischen Landeshauptstadt. Hier gibt es die höchste Arbeitslosenquote in Saarbrücken (25,1 Prozent, Tendenz steigend) und den höchsten Anteil an Hartz-IV-Beziehern (56,7 Prozent). Schon bei der Landtagswahl hat die AfD mit 16,6 Prozent hier ihr bestes Ergebnis in Saarbrücken erzielt. Bei der Bundestagswahl haben die Rechten sich sogar noch verbessern können: Fast jeder Vierte hat hier im September AfD gewählt, die liegt im sozialen Brennpunkt nun vor der LINKEN.   Bei der Landtagswahl war es der LINKEN und ihrem Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine noch gelungen, die Rechte im Saarland relativ klein zu halten. Die AfD kam landesweit auf für sie enttäuschende 6,3 Prozent, ihr Höhenflug war vorerst gestoppt. Ein halbes Jahr später haben schon 10,1 Prozent an der Saar ihr Kreuz rechts gemacht. Das Ergebnis liegt zwar noch leicht unter Schnitt der westdeutschen Länder, kann aber ebenso wenig beruhigen wie der Aufwärts-Trend der Rechten innerhalb weniger Monate.   Ganz offensichtlich haben die menschenverachtenden Äußerungen ihrer Funktionäre der AfD nicht geschadet. Im Gegenteil. Wer mit den Menschen in Malstatt oder der Folsterhöhe spricht, der hört immer wieder: Ihr müsst mich nicht zulabern, ich wähle AfD. „Ihr", das ist das Establishment, sind CDU, SPD, FDP, Grüne – und eben oftmals auch DIE LINKE. AfD wird gewählt „um es denen da oben zu zeigen", eine Denkzettel- oder Stinkefinger-Wahl. Gewählt wird nicht derjenige mit dem besten Programm, dem man am meisten vertraut – denn das Vertrauen in Politik ist hier nicht mehr sehr groß. Viel zu viele haben viel zu lange die Erfahrung gemacht, dass Regierungen kommen und gehen, ihre Lage aber nicht besser wird. Die Abgehängten wählen die, die die Etablierten vermeintlich am meisten ärgern werden.   Dabei würde die wirklich Mächtigen nichts mehr ärgern als eine starke LINKE, die Reiche zur Finanzierung des Gemeinwesens zur Kasse bittet und Lobbyisten die rote Karte zeigt. Die AfD dagegen ist systemerhaltend. „Die AfD ist eine neoliberale Partei, die jedem Ansatz auf eine gerechtere Verteilung ablehnend gegenübersteht, die Kürzung sozialer Leistungen durch CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne bejaht, eine Reichen-Besteuerung ablehnt und daher schon anonyme Geldgeber findet, die in diesem System reich wurden und erkannt haben, dass die AfD dieses System stützt", sagt Oskar Lafontaine. „Die AfD steht also nicht in Systemopposition zu der Grundausrichtung der gegenwärtigen Politik, wie ihre Vertreter behaupten, sondern sie trägt sie in vollem Umfang mit." CDU, SPD, FDP und Grüne versuchen natürlich immer wieder, ihre inhaltlichen Überschneidungen mit der neuen Rechtspartei zu vertuschen, indem eine angebliche Nähe zwischen AfD und LINKEN beschworen wird.   Kein Wunder, dass die AfD gemeinsam mit CDU und SPD im Juni im saarländischen Landtag einen Antrag der LINKEN abgelehnt hat, der das Ziel hatte, die Dispo- und Überziehungszinsen bei den Sparkassen im Land zu begrenzen. „Höhere Zinsen haben einen gewissen positiven erzieherischen Effekt", sagte der AfD-Abgeordnete Müller in der Aussprache. Seinen Wählerinnen und Wählern in Malstatt und der Folsterhöhe, die unter den Wucherzinsen leiden, verschweigt er diesen „erzieherischen Effekt" dagegen wohl lieber. „Jetzt kommt es darauf an, aufzuklären", meint Oskar Lafontaine. „AfD wählen heißt: weniger Lohn, weniger Rente, weniger soziale Leistungen, Aufrüstung und eine Beteiligung der Bundeswehr an Rohstoffkriegen. Dass die AfD darüber hinaus islamfeindlich ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie zur neoliberalen Einheitspartei gehört.

Neumitgliedertreffen in Berlin: Kennenlernen stand im Mittelpunkt

23. Juni 2017 - Vom 16. bis zum 18. Juni fand in der Berliner Parteizentrale das Neumitgliedertreffen der Linken statt. Aus jedem Landesverband wurden zwei Vertreter nach Berlin geschickt, um im geschichtsträchtigen Karl-Liebknecht-Haus die Bundespartei kennenzulernen und sich untereinander vernetzen zu können. Für das Saarland wurden Christophe Audier und Moritz Schillo ins Rennen geschickt. Neben zahlreichen gemeinsamen Essen waren verschiedene Aktivitäten rund um das Fest der Linken anlässlich des zehnjährigen Bestehens die Höhepunkte des Wochenendes. So konnten wir freitags den Festakt in der Volkstribüne mitverfolgen, der durch zahlreiche Reden – unter anderem von Gregor Gysi, Katja Kipping und Oskar Lafontaine und kurze künstlerische Intermezzi zwar lang aber interessant gestaltet war. Am nächsten Tag standen weitere Programmpunkte auf dem Plan, die teils eng mit dem Fest der Linken verbunden waren, da dieses direkt vor dem Karl-Liebknecht-Haus stattfand. So wurden Dietmar Bartsch und Bernd Riexinger als Vertreter des Spitzenteams durch zwei Neumitglieder – erfreulicherweise mit saarländischer Beteiligung (Christophe Audier) – interviewt. Darüber hinaus hatten wir die Möglichkeit mit Matthias Höhn und Bernd Riexinger Gespräche zu führen, die nicht nur aufschlussreich waren, sondern uns zusätzlich halfen, neue Kontakte zu knüpfen und Anlaufstellen für unsere politischen Ambitionen aufzuzeigen. Den krönenden Abschluss am Sonntag bildete ein Besuch im Bundestag, bei dem wir die Möglichkeit hatten Gesine Lötzsch und Petra Pau im Fraktionssaal der Linken Fragen zu stellen. Zusätzlich führte uns der Mitarbeiter Manfred Noweck durch das Gebäude und konnte uns mit zahlreichen Details und Anekdoten für die Historie des Reichstagsgebäudes begeistern. Trotz der fehlenden Vorstellungsrunde war die Atmosphäre unter den Neumitgliedern freundschaftlich und regte zu zahlreichen politischen Gesprächen an, was schlussendlich zu einer Vernetzung weiter Teile der Neumitglieder führte. Wir möchten außerdem allen Beteiligten danken – ganz besonders Tanju Tügel –, die uns durch das Wochenende geführt haben und uns diese Möglichkeit gegeben haben.

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